Das Web in 3D mit WebGL
Seit das Schlagwort HTML5 gefallen ist scheint sich viel zu tun in der Welt der Browser. Eifrig implementieren alle Browserhersteller neue Webstandard-Features in Ihre Schützlinge. Alle? Naja das kleine Dörfchen
Redmond, WA lassen wir mal außen vor.
Nachdem der
HTML5-Videotag schon fast niemanden mehr vom Hocker reißt, könnte jetzt
WebGL der nächste große Schuss werden.
Was ist WebGL?
WebGL ist die Implementierung von OpenGL (Open Graphics Library) für Webbrowser. Mit Hilfe dieser neuen Technik kann der Browser auf den Befehlssatz von OpenGL zurückgreifen und somit hardwarebeschleunigte 3D-Grafiken rendern.
Nachdem die Entwicklungsversion von
Webkit (u.A. die Engine von Safari und Google Chrome) seit kurzem WebGL unterstützt hat jetzt auch
Firefox im aktuellen Nightly Build den neuen Standard implementiert.
Was ermöglicht WebGL?
Als eine der ersten Beispielanwendungen hat
Vladimir Vukićević von Mozilla in seinem Blog eine
Beispielseite erstellt, auf der man sich das 3D-Modell einer Figur aus dem Comouterspiel
Spore (EA Games) ansehen kann - vorrausgesetzt man benutzt das Firefox Nightly Build. Mit dem Webkit Nightly Build funktioniert dieses Beispiel nicht. Die beiden Implementationen sind noch zu experimentell und zu unterschiedlich.
Selbst ausprobieren?
Das Nightly Build (
Download) kann ohne Bedenken parallel zum "Produktiv-Firefox" installiert werden, allerdings kann man nicht beide gleichzeitig geöffnet haben. Nach der Installation und dem Starten muss nur noch WebGL eingeschaltet werden.
Dazu muss man einfach about:config in die Adresszeile eingeben, die Warnung ignorieren und nach webgl filtern lassen. Die Eigenschaft webgl.enabled_for_all_sites lässt sich mit einem Doppelklick von false auf true setzen. Jetzt den Browser neustarten und die
Beispielseite öffnen.
Bis die Figur angezeigt wird, kann -je nach System, Grafikkarte und Grafiktreiber- etwas Zeit vergehen, also nicht gleich nach 5 Sekunden wieder abbrechen (leider fehlt so etwas wie ein Fortschrittsbalken). In diesem einfachen Beispiel lässt sich die Kreatur mit der Maus um 360° um eine Achse drehen. Natürlich ist WebGL nicht auf solche Dreh-Ansichten festgelegt. Genausogut könnte eine 3D-Umgebung gerendert werden durch die man sich bewegen kann.
Anwendungsmöglichkeiten
Nachdem einem die ersten spontanen Ideen für 3D-Browserspiele durch den Kopf geschossen sind, kann man sich auch andere nützliche Usecases ausdenken.
Google Sketch Up, eine einfach zu bedienende 3D-Modellier-Software kann z.B. das Format exportieren auf dem das Spore-Beispiel von Vladimir Vukićević basiert (
COLLADA). So könnten Produkte, Geschäftsräume, Hotelzimmer und viele andere Projekte mit mäßigem Aufwand dem Kunden in 3D vorgeführt werden.
Die Zukunft wird uns sicher noch viele überraschende und Innovative Beispiele für den Produktiven Einsatz von WebGL zeigen. Ich bin gespannt.
